KI in der Abschlussprüfung: Praxis-Tipps von Prüferinnen und Prüfern
Künstliche Intelligenz verändert auch die Abschlussprüfung. Besonders in datenintensiven Bereichen eröffnet sie neue Möglichkeiten – etwa bei der Analyse großer Buchungsdatenbestände oder bei der fachlichen Recherche. Wie dies in der Praxis aussieht, beschreibt Hagen Müller, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie Senior Partner bei dhpg .
Vorteile und Effekte des KI-Einsatzes
„Wir setzen KI vor allem in datenintensiven Bereichen ein“, erklärt Müller. Dazu zählen etwa Journal Entry Tests, Analysen in Nebenbüchern sowie analytische Prüfungshandlungen zur Risikobeurteilung. KI-gestützte Auswertungen helfen dabei, Auffälligkeiten in Massendaten schneller zu identifizieren und Prüfungsschwerpunkte strukturierter abzuleiten. Ergänzend nutzt sein Team retrievalbasierte Wissenssysteme, die interne Richtlinien und Fachliteratur erschließen. „Der wichtigste Effekt ist weniger die Zeitersparnis, sondern eine breitere und konsistentere Analysebasis.“
Ordnungsgemäßer und nachvollziehbarer KI-Einsatz
Damit der KI-Einsatz ordnungsgemäß bleibt, erfolgt er innerhalb klarer Governance-Strukturen. „Alle Schritte werden dokumentiert, sensible Mandantendaten nur in gesicherten Systemen verarbeitet und fachliche Ergebnisse stets von Menschen überprüft“, betont Müller. KI verstehe man bewusst als Analyseunterstützung: „Die Resultate liefern Ideen für weitere Prüfungsschritte – die fachliche Beurteilung bleibt Aufgabe des Prüfers.“
Empfehlungen für kleinere und mittlere Praxen
Für kleinere und mittlere Praxen empfiehlt Müller einen pragmatischen Einstieg: „Am besten mit klar abgegrenzten Anwendungsfällen wie Dokumentationsassistenz oder strukturierter Recherche beginnen.“ Wichtig seien zudem früh etablierte Datenschutzregeln, Nutzungsrichtlinien und Schulungen. Stolpersteine seien häufig Tool-Euphorie ohne Governance oder fehlende Integration in bestehende Prüfungsprozesse. Darüber hinaus sollten insbesondere kleinere Praxen darauf achten, den Anschluss nicht zu verlieren, da sich das Thema Künstliche Intelligenz derzeit sehr dynamisch entwickelt. Eine kontinuierliche Beobachtung technischer Neuerungen und die Bereitschaft, eigene Erfahrungen zu sammeln, sind daher entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
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